»Es ging von Anfang an um das Geschäft der FIFA«

Ende März fand die Premiere des Dokumentarfilms Im Schatten des Tafelberges in Berlin statt. Mit dabei waren Ashraf und Mne von der Anti-Eviction-Campaign. Diese Kampagne aus Kapstadt setzt sich in den Townships gegen Zwangsräumungen und Wassersperrungen ein. Der Antiberliner sprach mit den beiden Aktivisten.

Südafrika gilt als neoliberaler Musterstaat, wie macht sich das im täglichen Leben bemerkbar?
Privatisierung ist sicher nicht das einzige Problem das daraus resultiert, aber es macht einen ganz großen Teil aus. Hier ist wirklich alles privatisiert: Wohnraum, Bildung, soziale Absicherung und jetzt aktuell auch noch der Sport. Ebenso sind Strom und Wasser privatisiert, die Folge davon ist, dass es diese nur noch gegen Vorkasse gibt.
Wie wehrt ihr euch gegen diese Entwicklungen?
Anfangs haben wir uns, wenn jemand sein Haus verlieren sollte, weil kein Geld mehr für das Wasser da war, auch physisch dagegen gewehrt. Allerdings hat dies zu vielen Verletzten und zu starker Kriminalisierung geführt. Denn das Vorgehen der Polizei ist äußerst brutal, schließlich ist auch diese privatisiert und handelt entsprechend im Interesse einzelner Parteien.
Jetzt versuchen wir sicherzustellen, dass so etwas nicht mehr passiert, indem die Community den Menschen Schutz bietet und wir direkt mit den Verantwortlichen sprechen. Wir suchen den direkten Kontakt, denn wir wollen nicht, dass andere über uns sprechen, sie sollen mit uns sprechen. Der Weg über die formale Politik, über Wahlen ist für uns fast unmöglich – no land, no house, no vote, das heißt, wer keine anerkannte Adresse hat, darf gar nicht erst wählen gehen.
Welche Auswirkungen hat die Fußballweltmeisterschaft auf diese Probleme?
2005 machte die FIFA mit den Bürgermeistern der drei größten Städte die Verträge für die WM. Für sie war es jedoch nur wichtig ihre eigenen Interessen zu wahren. Die Interessen der Menschen auf dem Land und in den Townships spielten dabei keine Rolle. Es ging dabei von Anfang an nicht um die Unterstützung der Bevölkerung, sondern um neugebaute Luxus appartements, schicke Läden und das eigene Geschäft der FIFA. Besonders gravierend zeigt sich dies z.B. für viele Menschen durch die Verteuerung der Zugpreise. Bisher war Bahn fahren billig und für viele die einzige Möglichkeit in die Städte zu kommen. Die Preise sind nun um 47% angestiegen. Viele Menschen können sich das jetzt nicht mehr leisten.
Es wird einen Poor People´s Worldcup geben. Was können wir uns darunter vorstellen?
An der kommerziellen Form der WM können arme Menschen nicht teilnehmen, aber um Gemeinschaften zu bilden, spielt Fußball eine wichtige Rolle. Lange sind wir davon ausgegangen, dass Sport für uns nicht so relevant ist, aber der Sport wird politisch genutzt, um Menschen zu manipulieren, um Geld zu machen. Daher ist der Sport für uns jetzt auch ein Ansatzpunkt geworden. Bei dem Poor People´s Worldcup sollen Teams aus jeder Community mitspielen können. Dieser Turnier wird von vielen Menschen zusammen organisiert. Wir wollen mit unserem Cup auch dazu beitragen, dass die Menschen sehen, welche Absichten und Mechanismen hinter der WM stehen und wie Privatisierung im Sport funktioniert. Schließlich hilft uns das auch im Kampf auf anderen Feldern weiter.

antieviction.org.za