Hauptsache »weiß«

Anfang April ging die Nachricht vom gewaltsamen Tod Eugene Terre Blanches um die Welt. Er war der Führer der rassistischen Afrikaaner Weerstandsbeweging (AWB). Zu seiner Beerdigung kamen tausende Gefolgsleute, die ihm zum Teil mit »Hitler-Gruß« die letzte Ehre erwiesen. Sie wollen zurück in das alte Südafrika, zurück in den Apartheidsstaat.

Zwei von Blanches Angestellten sollen ihn auf seiner Farm im Nordwesten Südafrikas erschlagen haben. Das Motiv für den Mord ist noch immer unklar. Es wird angenommen, dass es um ausstehende Löhne oder sogar um Misshandlungen seiner dunkelhäutigen Angestellten geht. Beides ist bis heute Alltag auf den Farmen der »weißen« Afrikaaner, die noch immer den Großteil des Landbesitzes inne haben.

Die oft als »Buren« bezeichneten Afrikaaner sind Nachfahren jener Niederländer, die im heutigen Kapstadt 1652 eine Anlaufstelle für europäische Seefahrer errichteten und seither immer mehr Land im Süden Afrikas kolonisierten.
Als Großbritannien Anfang des 19. Jahrhunderts die Kolonie übernahm, brachte das Weltreich die Afrikaaner schnell gegen sich auf. Denn in London wurde 1828 ein Gesetz verabschiedet, das rassistische Erlasse aufhob und es den »schwarzen« Landarbeitern sogar ermöglichte, juristisch gegen Misshandlungen ihrer »weißen« Herren vorzu gehen. Sechs Jahre später verboten die Briten zudem die Sklaverei, was 1835 zu einer Rebellion der Afrikaaner führte.

Tausende zogen im »Great Treck« aus dem Kolonialgebiet Großbritanniens und kolonisierten den Boden weiterer Stämme im Landesinneren, in einer Hand das Gewehr, in der anderen die Bibel. Mitte des 19. Jahrhunderts hatten sie sich genug Land angeeignet, um die Buren-Republiken ausrufen zu können. Bald wurde dort jedoch Gold gefunden, was wieder einmal die Briten auf den Plan rief. So kam es 1899 zum Krieg zwischen Afrikaanern und Briten, den letztgenannte nach drei Jahren für sich entschieden.

Der Hass auf Großbritannien und der Glaube an die »weiße Rasse« und deren Überlegenheit ließen viele Afrikaaner in den 1930er und 1940er Jahren zu Unterstützern Nazi-Deutschlands werden. Nach der Unabhängigkeit Südafrikas vom britischen Weltreich und der Machtübernahme der Afrikaaner-Parteien im Jahre 1948 war das Land deshalb ein attraktives Fluchtziel für gesuchte Nazi-Verbrecher. Um so mehr, als die Buren einen Staat errichteten, der die sowieso schon existierende Diskriminierung der »schwarzen« Mehrheit in rassistische Gesetze goss und die Apartheid in jeden Winkel des Alltags trieb.

Die »Niederländische Reformierte Kirche«, die schon eine der Hauptstützen bei der Geburt des Afrikaaner-Nationalismus war,
rechtfertigte dies über Jahrzehnte durch ihre eigenwilligen Auslegungen der Bibel. Doch der internationale Druck, die ökonomischen Probleme und der Widerstand der unterdrückten Massen nahmen zu, sodass sich die Afrikaaner unter Führung ihres Präsidenten F. W. De Klerk schließlich zu Verhandlungen bereit erklärten. 1994 folgten das Ende des Apartheidsstaates und die ersten freien Wahlen, welche die »schwarze« Widerstandsorganisation Afrikanischer Nationalkongress (ANC) für sich entscheiden konnte.

Einige Afrikaaner versuchten diese Ereignisse gewaltsam zu verhindern. Andere kauften sich gemeinsam Land und bildeten »weiße« Enklaven wie Orania, wo heute etwa 1.500 Buren leben und arbeiten. Die Mehrzahl der Afrikaaner fand sich jedoch schnell damit ab, die politische Vorherrschaft zu verlieren, dafür aber weiterhin die ökonomischen Schlüsselpositionen inne zu haben. Denn darüber vermittelt haben die »weißen« Südafrikaner bis heute einen immensen Einfluss auf die Geschicke des Landes.