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Iran: Die große Revolte Im Iran erleben wir derzeit einen großen Aufstand. Die Bilder erinnern sehr an die Monate vor der Revolution von 1979. Die Massen werden auf der Straße von Paramilitärs gejagt und erschossen, in den Gefängnissen herrscht der schlimmste Terror, mit unter Folter ermordeten Jugendlichen, und dennoch machen die Leute weiter. Die große Angst vor dieser theokratischen Diktatur ist gebrochen. Die Revolte ist nicht von Himmel gefallen. Seit den 90er Jahren schlitterte der Iran in eine große gesellschaftliche Krise. Nach dem Ende des langen Krieges gegen den Irak 1988 kamen die inneren Widersprüche der Gesellschaft immer stärker an die Oberfläche.
Rebellion im Nahen Osten Vor zehn Jahren hatten die Studierenden zum ersten Mal wieder rebelliert. Das war wie ein Fanal, danach beherrschten soziale Konflikte das Land. Die Studierenden radikalisierten sich zusehend, eine neue Arbeiterbewegung fasste neuen Mut, und eine neue Frauenbewegung trat hervor. Der jüngste Wahlbetrug Ahmadineschads wirkte dann wie eine Kriegserklärung und war der Anlass dafür, dass die angestaute Unzufriedenheit explodierte. So brennen inzwischen im armen Süden Tehrans genauso die Barrikaden wie im reicheren Norden. Die Vorhut der Revolte stellen jedoch eher die gebildeten Jugendlichen. Im Iran besuchen mehr Leute pro Kopf eine Universität als in Deutschland, und die Mehrzahl der Studierenden ist weiblich. Die Bewegung ist basisdemokratisch organisiert. Sie verabreden sich über das Internet und auch über die Dächer Teherans. Hier versammeln sie sich fast jede Nacht und rufen Parolen oder zu Aktionen auf. Die Oppositionspolitiker Mussawi und Karrubi haben sich inzwischen hinter die Bewegung gestellt, wenngleich sie selbst eigentlich aus den Tiefen des Systems kommen. Jedoch haben die Reformunfähigkeit des Systems, welches sich durch den Wahlbetrug Ahmadineschads zeigte, und der Kampf der Leute auf der Straße, ihnen den Weg zurück ins Establishment komplett versperrt. Wem gehört die Straße? So kommt ein richtiger Massenaufstand mit einer tiefen Spaltung der Elite zusammen – eine gute Mischung für eine Revolution. Das Land wird sich sicher nicht mehr beruhigen, ohne ein Massaker historischen Ausmaßes. Die internationalistische Linke sollte ihre Passivität endlich aufgeben und sich aktiv mit dieser Revolte solidarisieren. Sie kann viel gewinnen, denn der Nahe Osten würde sich durch den Erfolg dieses Protestes sehr zum Positiven verändern – die anderen Diktaturen würden auch destabilisiert und der Islam als Ideologie des Widerstands würde seine Hegemonie verlieren. Endlich würde ein großes Fenster geöffnet, damit die Linke und die sozialen Bewegungen wieder zu einer relevanten Machtfaktor werden könnten. Pedram Shahyar ◆ Mehr: www.nyi-berlin.net/de.htm |
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