»Musik ist ein starkes Medium«

Bereits vor Jahren spielte die Band KOP aus Barcelona in Berlin, bis ihr Sänger Juanra 2002 untertauchen musste. Nach ihm wurde gefahndet, da er die ETA unterstützt haben sollte. Der konkrete Vorwurf: Er soll der ETA Adressen von bekannten spanischen Faschisten zugespielt haben. Informationen, die auch in den örtlichen Telefonbüchern zu finden sind. Nach seiner Festnahme 2002 saß er bis 2007 im Knast. Anlässlich des Konzerts von KOP am 1. Mai 2009 in Berlin auf dem »Barrio Antifascista« sprach der Antiberliner mit Juanra.

Wie hast du die Rückkehr von KOP auf die Bühne am 1. Mai 2009 in Berlin erlebt?
Natürlich hatten wir wahnsinnig viel Lust am 1. Mai in Berlin zu spielen. Wir haben uns bereits seit längerem und voller Erwartungen auf dieses Konzert vorbereitet. Und schließlich haben wir unzählige Kilometer aus Katalonien zurückgelegt, um hier spielen zu können. Es war uns wichtig, unsere Ideen und unsere Musik,
Juanra, aus Barcelona – Sänger der Band KOP
sprich unsere Art der Kommunikationsguerilla hier zu präsentieren. Die besondere Atmosphäre zeigte sich uns dann am Abend nach der revolutionären 1. Mai-Demo. Für uns stellte sich die Situation so dar: Wir haben angefangen zu spielen, aber gleichzeitig sind die Bullen mit Gas gegen die Leute vorgegangen, und die haben angefangen sich zu wehren. Schließlich haben die Bullen versucht, unsere Bühne zu besetzen, aber wir haben dann zunächst trotzdem weiter gespielt. Leider mussten wir kurz darauf das Konzert abbrechen. Später haben wir dann die Auseinandersetzungen und die Feuer auf den Straßen von Kreuzberg gesehen. All das hat uns für unseren Aufwand entschädigt. Es war einer der schönsten Tage für uns.
Was hat dich eigentlich motiviert das Projekt KOP nach all den Jahren fortzusetzen?
Nun es gibt verschiedene Gründe, die dazu geführt haben, KOP wieder ins Leben zu rufen. Aber der Wichtigste war, dass all das, was wir in unseren Texten transportieren, damals wie heute seine Gültigkeit hat. Zudem ist Musik ein starkes Medium, welches sich gegen all diejenigen richten kann, die versuchen, uns unsere Stimme mit Macht zu nehmen. Ich habe die Entscheidung getroffen, denselben Kampf mit derselben Überzeugung fortzusetzen, wie ich es bereits zu Beginn von KOP getan habe.
In den Songs von KOP wurden immer verschiedenste politische Themen angesprochen. Welche Themen beschäftigen euch jetzt?
Konkret kreisten die Texte von KOP immer um vier Blöcke: Die sozialen Bewegungen wie Antifaschismus, Häuserbesetzung, revolutionäre Gewerkschaftsarbeit, Feminismus, die Befreiungskämpfe von unterdrückten Völkern, Solidarität und Internationalismus. Ich denke, daran wird sich auch in Zukunft nicht ändern.
Der Prozess, KOP wieder neu ins Leben zu rufen, war etwas kompliziert, deswegen haben wir uns zunächst dazu entschlossen, die bekannten Songs einzuspielen und diese in diesem Jahr auf unserer Tour zu präsentieren. Ende dieses Jahres wollen wir dann neue Songs entwickeln und hoffen, dass wir die dann auf einer neuen CD/DVD mit den Eindrücken von der Tour 2009 im März/April nächsten Jahres präsentieren können.