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Die WTO wird aufgelöst Die WTO wird sich, aufgrund ihrer Misserfolge, auflösen. Dies erklärte ihr Sprecher Kinnithrung Sprat vor Teilnehmern einer Konferenz in Sydney. Fortan soll eine neu gegründete Organisation den Fokus auf die Repräsentanz der Armen und Benachteiligten dieser Erde richten. Einmal mehr erntet ein Mitglied der Gruppe »The Yes Men« Applaus für eine Rede, die diese im Namen einflussreicher Firmen und Organisationen vor fachkundigem Publikum hält. Dabei zählt die vermeintliche Auflösung der Welthandelsorganisation noch zu den weniger absurden Vorschlägen, mit denen Kommunikationsguerilla international auf höchstem Niveau perfektioniert wurde. Alles begann im Jahr 1999 mit der Sicherung der Internetseite www.gatt.org, auf der sich die Gruppe als Welthandelsorganisation ausgab. GATT steht für »general agreement on tariffs and trade« und war das 1947 in Kraft getretene Welthandelsabkommen, das 1995 zur Gründung der WTO führte. Als dann tatsächlich Anfragen für Redner der WTO über das Kontaktformular kamen, nahmen sie die Chance war und sprachen auf einer Konferenz über internationale Handelsgesetze. Absurde Forderungen im Namen des Freihandels, etwa das Ermöglichen von Handel mit Wählerstimmen im Internet, führten dort zu keinerlei Verwunderung. Also wurde die vermeintliche Schmerzgrenze Schritt für Schritt angehoben. Auf die Forderung nach dem Handel mit Gerechtigkeitszertifikaten zum Ausgleich von Menschenrechtsverletzungen folgte Werbung für die Wirtschaftlichkeit der Ausbeutung von Sklaven in ihrer Heimat. Auch die Präsentation eines Anzugs für Manager, der über einen überdimensionalen Phallus die Möglichkeit zur totalen Überwachung seiner Arbeiter gäbe, kam gut an. Vor wechselndem Publikum nutzte die Gruppe, in die Rolle einflussreicher Identitäten geschlüpft, ein ums andere Mal die Autoritätshörigkeit ihrer Zuhörer. Die mediale Aufmerksamkeit war im Nachhinein stets riesig. Während anfangs nur lokale Ergebnisse erzielt wurden, etwa durch das Vertauschen der Sprachelektronik von Barbie- und GI-Joe-Puppen, steigerte sich das Maß des Einflusses über die Jahre: 3.000 Menschen starben 1984 bei einem Chemieunglück im indischen Bophal. Am 20ten Jahrestag verkündete ein Sprecher des verantwortlichen US-Chemie Unternehmens Dow Chemical Reparationszahlungen in Höhe von 12 Milliarden US$ an die Hinterbliebenen zu leisten. Eine Aktion der Yes Men, die dem Unternehmen Milliardenverluste an der Börse sowie einen riesigen Imageschaden durch den Widerruf einbrachte. Und im November letzten Jahres lasen über eine Millionen Leser der New York Times vom Ende des Irakkriegs. Viele Helfer hatten diese Fälschung in Umlauf gebracht. Kürzlich präsentierten die Yes Men ihren neuen Film auf der Berlinale. Nicht ohne eine Aktion, mit der sie auf die Verlogenheit des Sponsors BMW hinwiesen. »The Yes Men Fix The World« sei Profis wie Laien der Kommunikationsguerilla hiermit ans Herz gelegt. |
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