Moderne Bauernfänger

Dass die Bundeswehr ihre Präsenz in Afghanistan und vor der Küste Somalias ausweitet, ist bekannt. Die Aktivitäten an der Heimatfront werden allerdings kaum wahrgenommen.

Ihre aktuelle Aufgabe im Inneren besteht neben der Legitimation der Auslandseinsätze vor allem in Werbung und Rekrutierung in eigener Sache, und diese ist durchaus vielfältig.

Präsenz auf Messen ...

Ein Teil des umfangreichen Werbe- und Rekrutierungsprogramms der Bundeswehr besteht in deren Präsenz auf Fachmessen. Egal ob auf der Jugendmesse YOU in Berlin, bei dem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie oder auch auf der Computerspiele-Messe »Games Convention« in Leipzig, die Bundeswehr war mit einem eigenen Stand und einem aufgemotzten Infotruck vertreten. Nach eigenen Angaben waren es im Jahr 2008 mehr als 40 Fachmessen unterschiedlichster Bereiche, auf denen die Bundeswehr präsent war. So soll ein noch stärkerer Einfluss auf das öffentliche Bewusstsein genommen werden und gleichzeitig das Militär als ein seriöser und zukunftsfähiger Arbeitgeber dargestellt werden.

... Arbeitsamter und Schulen

Neben den Fachmessen sind vor allem Jobmessen als auch die Bundesagentur für Arbeit direkt ein Schwerpunkt der Rekrutierungsarbeit. Bundesweit unterhält die Bundeswehr in elf Arbeitsagenturen eigene Büros, und in über 200 Agenturen finden regelmäßige Werbeveranstaltungen statt.
Handybilder, Klingeltöne, Computerspiele – die Bundeswehr macht auf mo(r)dern
»Karriere Treff« nennt sich dieses Rekrutierungsprogramm. Hierzu touren speziell geschulte Soldaten mit schwerem Gerät, so wie einem als Informationszentrum umgebauten Truck, dem so genannten Karriere-Truck und unterschiedlichem Kriegsgerät zum Anschauen und Anfassen durch größere und kleinere Städte in Deutschland. Ebenfalls im Gepäck befinden sich Unmengen an Werbematerial wie Broschüren oder DVDs, in denen die Bundeswehr über unterschiedliche Beschäftigungsmöglichkeiten bei den verschiedenen Waffengattungen, der medizinischen Abteilung oder Verwaltung informiert. Kletterwand und allerlei technische Gerätschaften wie ein Flugsimulator oder ein Feldjägermotorrad lässt besonders für junge Menschen das Militär attraktiv erscheinen. Vor allem aber die Perspektivlosigkeit durch »Hartz IV« und eine hohe Jugendarbeitslosenquote helfen der Bundeswehr bei ihrer Rekrutierungsoffensive ungemein. Gern werden auch mit Schulklassen Planspiele durchgeführt, bei denen die Schüler in unterschiedliche Rollen schlüpfen und versuchen, weltpolitische Konflikte zu lösen, welche dann auch fast immer in Kriegseinsätzen münden. Der Informationsstand auf dem Schulhof oder dem Universitätscampus gehört mittlerweile zum Standardprogramm. Auch mit gezielten Freizeitangeboten wie z.B. Camps oder Besichtigungen von ausgemustertem Kriegsgerät buhlt die Bundeswehr um die Gunst der Jugend.

Das ist hip, das ist cool

Das Ziel dieser Rekrutierungsmaßnahmen liegt zum einen in einer direkten Imageverbesserung des Militärs an sich, zum anderen als auch damit einhergehend in einer Militarisierung der gesamten Gesellschaft. Das Image der Bundeswehr soll durch immer professioneller geführte Werbemaßnahmen dahingehend verändert werden, dass diese als ein ganz normaler Arbeitgeber unter tausend Anderen erscheint. Aus Sicht der Bundeswehr ist dies auch bitter nötig, da trotz der intensiven Werbemaßnahmen und Unterstützung durch Medien und Politik immer noch der Großteil der Bevölkerung Auslandseinsätze wie in Afghanistan ablehnend gegenübersteht und die Bundeswehr noch lange nicht bei der erwünschten Normalität angelangt ist.