Atomkraft weiterhin keine Option

In der momentanen öffentlichen Diskussion um den Klimawandel drängt sich das Bild der Unvermeidbarkeit einer Nutzung ziviler Kernkraft auf, soll die Verantwortung für den Kollaps des Planeten nicht an uns hängen bleiben.

Interessant dabei die rhetorische Wende: Von der Möglichkeit eines nuklearen Armageddon im Bewusstsein von Hiroshima, Nagasaki und Tschernobyl, hin zum Klimakollaps, der nur noch durch die Nutzung der Kernenergie abwendbar sei. So wird ohne inhaltliche Diskussion jede kritische Stimme diskreditiert. Doch wie steht es mit der viel gepriesenen Fortschrittlichkeit dieser Technologie?
Derzeit gibt es weltweit 435 AKW (17 mit Betriebsgenehmigung in der BRD), die drei Prozent (24 Prozent) des Energiebedarfs abdecken. Das für den Betrieb benötigte Uran würde bei derzeitigem Verbrauch laut BUND nur noch wenige Jahrzehnte ausreichen. Immer größere Anstrengungen und somit immer mehr CO2-Ausstoß wird benötigt, um es aus immer größerer Tiefe zu fördern. Wird die gesamte Nutzungskette bis zum Rückbau des Kraftwerks betrachtet, so produziert ein AKW wesentlich mehr CO2 als bspw. beim Betrieb von Wind- oder auch Erdgasheizkraftwerken anfällt. Mit einer Effizienz von lediglich 33 Prozent (67 Prozent der Energie verpuffen) stehen AKWs zudem weit hinter konventionellen Kraftwerken zurück.

Teuer und gefährlich

Bei der Einführung der Technologie wurde mit kostenfreier Energie geworben.
Allein der Wunsch nach dem Halten reicht nicht, es muss auch mal gedrückt werden
Damals handelte es sich quasi um ein Abfallprodukt aus der militärischen Nutzung, die auch heute noch Hand in Hand mit der zivilen Nutzung geht. Die Bilanz von Calder Hall, dem ältesten Meiler der Welt, verdeutlicht die Milchmädchenrechnung: Auf 47 Jahre im Betrieb (bis 2003) folgen geplante 120 Jahre des Rückbaus, in denen mehr Personal beschäftigt sein wird als zu Betriebszeiten.
Unkalkulierbar sind die Kosten, die im Falle eines Betriebsunfalls auf die öffentliche Hand zurückfallen. Nicht zu vergessen die Kosten, die durch die langfristige Unnutzbarkeit großer Gebiete entstehen, wie Tschernobyl verdeutlicht hat. Der Betonsarkophag muss dort bis in alle Ewigkeit in Stand gehalten werden. Gesundheitliche Auswirkungen lassen sich schwer in Zahlen messen, Erbgutschädigungen können sich über Generationen fortsetzen. Eine Studie des Bundesamtes für Strahlenschutz ermittelte 2007 eine insbesondere bei Kindern erhöhte Leukämierate in der näheren Umgebung von AKWs, auch ganz ohne Unfall.

Pleiten, Pech und Pannen

Im Juli 2006 kam es in Schweden fast zu einem GAU:Wenige Minuten trennten das AKW Forsmark nach einem Kurzschluss von der Kernschmelze und damit Europa von einem zweiten Tschernobyl.
2007 musste das AKW Brunsbüttel nach einem Kurzschluss und das AKW Krümmel nach einem Brand vom Netz genommen werden. 2008 wurden nach einem Unfall im französischen AKW Tricastin erhöhte Werte in der Umgebung gemessen; radioaktives Wasser gelangte in die Rhone, baden und fischen wurde verboten. Kurz darauf kam es zu weiteren Störfällen in anderen Meilern, Mitarbeiter wurden kontaminiert. In Deutschland wurde der Skandal um den Schacht AsseII, der als Probeendlager fungiert, bekannt:Wahllos versenkte Fässer rosten vor sich hin, Wassereinbrüche transportieren u.a. Cäsium137 in die Umgebung. Die Bergung der Fässer ist quasi unmöglich, der Betreiberfirma wurde die Aufsicht entzogen. Folgen unabsehbar.
Weltweit gibt es keinen Ort um radioaktiven Müll Millionen Jahre sicher zu lagern. Je mehr davon produziert wird, desto schwieriger wird es.