SS-Runen am Hackeschen Markt

Die Eröffnung des Bekleidungsgeschäfts »Tönsberg« Anfang Februar im Berliner Stadtteil Mitte wurde von vielen als regelrechter Skandal empfunden. Zurecht, denn das Geschäft vertreibt ausschließlich Bekleidung der rechten Modemarke Thor Steinar. Trotzdem überrascht die plötzliche Empörung.

Bei der Eröffnung des »Tönsbergs« handelt es sich nicht um eine Neueröffnung, sondern vielmehr um einen Umzug. Denn bis Ende 2007 war das Geschäft
Beliebtes Ziel der Proteste gegen Thor Steinar, der Tönsberg in Berlin-Mitte
in einem etwa 500 Meter entfernt liegendem Einkaufszentrum am Alexanderplatz zu finden und zwar ohne nennenswerte Proteste hervorzurufen. Allein der Aufklärungsarbeit durch Antifaschisten ist es zu verdanken, dass ihm dort nach mehr als zwei Jahren gekündigt wurde.
Des weiteren befindet sich Thor Steinar seit Jahren auf einem Siegeszug als weithin akzeptiertes Label, was ebenso wenig Protest hervorruft. Es gibt kaum eine Schulklasse, kaum ein Volksfest ohne junge Menschen für die die Thor Steinar-Bekleidung nicht der Dresscode wäre, über den die Zugehörigkeit bzw. Nicht-Zugehörigkeit zu ihrer Gruppe demonstriert wird. Und gerade die vermutlich nicht-rechten, sondern ausschließlich auf den Gewinn spekulierenden Läden, die die rechte Bekleidung (trotz antifaschistischer Interventionen) vertreiben, zeigen dass es eine enorme Nachfrage danach geben muss.

Rechte Symbolik

Die Symbolik, die auf den Thor Steinar-Klamotten zu finden ist, ist alles andere als harmlos, sondern sie ist mit eindeutigen völkischen, faschistischen und rechtsextremen Bildern aufgeladen. Dies führte dazu, dass das alte Logo von Thor Steinar 2004 zeitweise verboten wurde, weil es der Doppel-Sig Rune der SS zum Verwechseln ähnlich sah und sich aus der Tyr-Rune und der Gibor-Rune zusammensetzte. Die Gibor-Rune wurde u.a. von Nazi-Wehrwolfeinheiten benutzt. Im deutschen Faschismus wurde die Tyr-Rune als Abzeichen der Reichsführerschulen verwendet. Ein weiteres Beispiel ist das Motiv »Wüstenfuchs«. Es spielt in eindeutiger weise auf den Wehrmachtsgeneral und NS-Helden Erwin Rommel an, der für unzählige Verbrechen in Nordafrika verantwortlich und unter dem Namen Wüstenfuchs bekannt ist. Neben dem eindeutigen Bezug des Labels auf den deutschen Faschismus, werden auch aktuelle rechtsextreme Bewegungen promotet. Beispiel dafür der Schriftzug »Ultima Thule«, der auf das gleichnamige schwedische Rechtsrock-Projekt verweist.
Dass Thor Steinar trotz oder gerade wegen seiner rechten Symbolik von jungen Menschen als stylische Klamotte getragen wird sollte beunruhigen. Schließlich trägt dies dazu bei, die gesellschaftliche Akzeptanz für völkische, faschistische und rechtsextreme Ideen zu erhöhen.

Aktiv gegen Nazistyle

Dass es inzwischen Fußballvereine gibt, die das Tragen dieser Marke in ihren Stadien verbieten und dass es im Zusammenhang mit dem alten Labelverbot kurzzeitig zu einer medialen Aufklärung über die rechte Modemarke kam, war fast immer antifaschistischen Initiativen geschuldet. Offenbar waren diese Anstrengungen jedoch nicht ausreichend, um den Vertrieb von Thor Steinar auszubremsen. Gerade deshalb stellen die Proteste gegen den Laden in Berlin-Mitte einen Hoffnungsschimmer dar. So haben die Beschwerden der Anwohner und Gewerbetreibenden, die öffentliche Kritik von Politikern, die antifaschistischen Mobilisierungen und die mindestens neun Farbattacken dem Protest über diese gesellschaftliche Breite eine neue Wirkungsmächtigkeit gegeben. Diese hat bereits nach kürzester Zeit zur Kündigung des Mietvertrags geführt. Für die Dauer des nun folgenden Rechtsstreits wird im Tönsberg allerdings weiterhin verkauft.