![]() |
||
|
Geschichte wird gemacht In der jüngeren Vergangenheit kann man beobachten, dass die Filmindustrie durch die Darstellung großer historischer Ereignisse im Spielfilmformat ansonsten eher staubig anmutenden Erzählungen neuen Glanz verleiht. Kaum eine Schlacht, kaum ein in Schülerhirnen mit Jahreszahl verknüpftes Event, das noch nicht unterstützend mit allseits bekannten Gesichtern von Bruno Ganz bis Ben Affleck hinterlegt ist. Mit Bernd Eichingers Film »Der Untergang « kam erstmals eine Erzählung des deutschen Faschismus aus Sicht der Elite in die Kinos. Gezeigt wurden Menschen mit ganz menschlichen Problemen. Die Person Hitler wurde als zunehmend irrational handelnd dargestellt und am Ende musste man sich fragen, ob deshalb der Widerstand gerade auch aus der restlichen Führungsriege nicht früher hätte einsetzen müssen. Mit Widerstand in Form des Attentats vom 20.Juli 1944 beschäftigt sich das neue Projekt »Valkyrie«, ein Film von und mit Tom Cruise, der zur Zeit in Berlin und Umgebung gedreht wird und mit 4,8 Millionen Euro deutscher Steuergelder gefördert wird. Widerstand? Wenn es hierzulande um die Rolle des Widerstands während des deutschen Faschismus geht, nimmt das Bombenattentat auf Adolf Hitler einen zentralen Platz ein. Dieser Versuch der Beseitigung Hitlers wird inzwischen so dargestellt, als handele es sich dabei um das Resultat antifaschistischer Überlegungen. Dies ist keineswegs der Fall. Ein Aufstand, gar eine Massenerhebung lag den Verantwortlichen um Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg nicht im Sinn, sonst wären ihnen widerständische Gedanken vielleicht auch nicht erst kurz vor Kriegsende gekommen.Vielmehr ging es um die einfache Neubesetzung der Machtpositionen im Staat, der Krieg als solcher wurde von ihnen nicht abgelehnt. So heißt es im Entwurf einer Regierungserklärung: »... und daß wir diesen Krieg fernerhin mit reinen Händen, in Anstand, mit der Ehrenhaftigkeit, die jeden braven Soldaten auszeichnet, führen werden ...« Das dahinter stehende Ansinnen mit dem Ziel, Deutschland gegen seine »Feinde« zu wappnen, wird heute oft verschwiegen. Widerstand! So wird die Rolle des Widerstands mit einer aus fragwürdigen Motiven handelnden Figur besetzt, anstatt frühe und tiefgründigere Ansätze tausender inhaftierter Linker entsprechend zu würdigen. Selbst für Wehrmachtsdesserteure, die nicht nur in Bundeswehrkreisen noch immer als Verräter bezeichnet werden, gibt es bis heute keine Rehabilitierung. Diese Sortierung des Widerstands macht Sinn, wenn sie als politisch gewollt und im Kontext deutscher Geschichtspolitik betrachtet wird. Der nationale Gedanke dient auch heute noch dazu, junge Menschen in entfernten Regionen für das Vaterland kämpfen zu lassen. Widerstand darf nur dann legitim sein, wenn Befehle „unrecht“ sind. Dass diese Einstufung natürlich immer erst im Nachhinein stattfinden kann, spielt keine Rolle. In unserer heutigen demokratischen Gesellschaft kann Widerstand also nur als antidemokratischer Akt begriffen werden. Heute? Um die herrschenden Zustände als verteidigenswert zu präsentieren, lassen sich die Profiteure von heute eine Menge einfallen. Zunächst sollte nach öffentlicher Empörung ob der Besetzung der Rolle des deutschen Helden mit dem Scientologen Cruise die Drehgenehmigung im Bendlerblock nicht erteilt werden. Mit der Erkenntnis, dass Geschichte heute (auch) im Kino gemacht wird,wurde der Hinrichtungsort Stauffenbergs schließlich doch freigegeben. Prämisse: Ein inhaltlicher »Spannungsbogen zum demokratischen Deutschland« muss zeigen, »dass die Barbarei nicht gesiegt habe«. |
||