Gesundheit für alle in Venezuela

In Europa sind in den letzten Jahren Kürzungen im Gesundheitswesen und Privatisierungen von Krankenhäusern eine Realität geworden, die von vielen als zwangsläufig und unumgehbar empfunden wird. Dass es auch anders geht, zeigen manche lateinamerikanische Länder, wo die Privatisierungspolitik auf massiven Widerstand bei den Betroffenen stößt.

In Venezuela ist das Recht auf kostenlose Gesundheitsversorgung ein Grundrecht, das in der neuen Verfassung festgeschrieben ist.

Es ist nicht so, dass es vor dem Wahlsieg von Hugo Chavez keine medizinische Versorgung in Venezuela gab. Zum Beispiel verzeichnete man eine überdurchschnittlich hohe Zahl an plastischen Chirurgen. Somit war das Land ein Paradies für die Schönheits- Operationen der Reichen.Gleichzeitig lebte jedoch über die Hälfte der Bewohner ohne Krankenversicherung in den Slums der Großstädte oder auf dem Land, und fast ein Drittel lebte unterhalb der Armutsgrenze.

Keine Privatisierung

Die Verfassung, die nach der Regierungsübernahme von Hugo Chavez unter aktiver Beteiligung der Bevölkerung erarbeitet wurde, verbietet die Privatisierung des öffentlichen Gesundheitswesens.
»Barrio Adentro«, Zahnklinik von außen
Im Jahr 2003 begann die venezolanische Regierung, im Rahmen eines Kooperationsprogrammes mit Kuba, die Einrichtung einer Basisgesundheitsversorgung in den Armenvierteln (»Barrio Adentro«). Bedingung für die Aufnahme der kubanischen Ärzte in den Barrios war die Selbstorganisierung der Menschen in den Stadtteilen.Gesundheitskomitees wurden gegründet, um die Voraussetzungen für die medizinische Versorgung herzustellen. Zweifelsohne war dies kein Prozess ohne Konflikte und Spannungen, doch er führte dazu, dass die Menschen ihre Anliegen selbst in die Hand nahmen und Selbstvertrauen gewannen.

Cubanische Ärzte

Einer der ersten cubanischen Ärzte, die in Caracas ankamen, berichtete: »Als wir in den Barrios ankamen, haben die Leute uns nicht geglaubt. Sie sagten, es hätte schon so viele Regierungen gegeben, die soviel versprochen hätten, die ganze Welt wäre schon gekommen und hätte ihnen was versprochen und es wäre nie was passiert, und als sie uns sahen, konnten sie nicht glauben, dass das wahr sei.« Eine der Frauen, die einen kubanischen Arzt bei sich aufnahm, erzählte: »Sie kamen direkt vom Flughafen in unsere Häuser, wir hatten auf sie gewartet, wir hatten schon alles fertig, es war für uns zwar peinlich, ja wir schämten uns richtig, aber wir hatten viel Liebe, und sie haben sich an unsere Situation gewöhnt «.

Das Gesundheitsprogramm

Das Programm der kostenfreien öffentlichen Gesundheitsversorgung wurde innerhalb der folgenden drei Jahre ausgeweitet zu einem Netzwerk von Gesundheitsposten, Volkskliniken,Rehabilitationszentren und Krankenhäusern, in dem heute etwa 15.000 cubanische Ärzte und einige Tausend venezolanische Ärzte arbeiten. Da es über »Barrio Adentro« viel Unwissen und verschiedene Darstellungen gibt, und gleichzeitig die rechte Opposition in Venezuela nichts auslässt, um das Programm niederzumachen, verfasste die Weltgesundheitsorganisation (WHO) einen Bericht über »Barrio Adentro«. Hier wird die Schlussfolgerung gezogen, dass Venezuela mit »Barrio Adentro« positive Alternativen in der Gesundheitsversorgung schaffe, weil es sich der Diktatur des freien Marktes entgegenstelle.

Der Bericht kann in Spanisch, Englisch und Französisch unter ops-oms.org.ve nachgelesen werden.