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Koloniale Herrschaft –
Gewalt und ihre Legitimationsstrategien Gewalt als Durchsetzungsmittel der kolonialen Herrschaft spielte von Beginn an eine zentrale Rolle. Die brutale Vernichtung des Aztekenreiches, der Völkermord an den Herero oder der Genozid in Kongo sind nur einige Beispiele für die Gewaltförmigkeit des Kolonialismus. Die koloniale Herrschaft baute jedoch nicht nur auf die Ausübung von brutaler Gewalt, sondern wurde ideologisch legitimiert und verfestigt. Kolonialismus ist ein komplexes und mit der europäischen Geschichte eng verbundenes Ereignis. Die überseeischen Eroberungen Europas seit dem ausgehenden Mittelalter führten zur Kolonialisierung und Beherrschung weiter Teile der Welt, deren Folgen bis heute sichtbar sind. Angesichts der großen Vielfalt der kolonialen Unternehmungen und Wirklichkeiten in den davon betroffenen Gesellschaften, ist der Begriff Kolonialismus äußerst schwer zu fassen. Kolonialismus – ein Herrschaftsverhältnis Kolonialismus lässt sich grob beschreiben als ein gewaltvolles Macht- und Herrschaftsverhältnis zwischen Kollektiven, bei welchem die grundlegene Entscheidungen über die Lebensführung der Kolonialisierten durch die Kolonisatoren durchgesetzt werden.
Gewalt als Herrschaftsmittel Die in der Idee des Kolonialismus angelegte Ungerechtigkeit lässt sich nur mit Gewalt durchsetzen, da sich kein Kollektiv freiwillig verdrängen,ausbeuten und unterdrücken lässt. Die gewalttätigen Eroberungen fußten konkret auf zwei Beinen. Zum einen auf den staatlich durchgeführten Eroberungskriegen und zum anderen auf der außerstaatlichen Gewalt der Siedlungskolonisatoren. Ob Armeen oder Siedler, beide Gruppen waren für unzählige Verbrechen überall auf dem Globus verantwortlich.Die Kolonialkriege verfolgten ein eindeutiges Ziel: Den totalen Sieg. Die dauerhafte Unterjochung der unterlegenen Bevölkerungen und die Etablierung eines permanenten kolonialen »Friedens«. Und auch den Siedlern war im permanenten Verdrängungskampf gegen den Widerstand der einheimischen Bevölkerung jedes Mittel bis hin zum Genozid recht. In Afrika, in Australien und vielfach in Nordamerika herrschte das ungezähmte Faustrecht. In ihren Kriegen und zur Aufrechterhaltung ihrer Herrschaft wurden Hunger und Krankheiten zu wichtigen Waffen für die Kolonisatoren. Die totale Herrschaft über die Kolonialisierten drückte sich auch in ihrer Versklavung aus.So wurden die Sklaven gezwungen,als Landarbeiter auf den Plantagen, als Dienstpersonal in den Häusern zu arbeiten oder wurden im Kindesalter als luxuriöse Spielzeuge gehandelt. Die profitable Sklavenwirtschaft fand ihren Ausdruck in der totalen Entrechtung und Beherrschung, welche die Verfügbarkeit über die Intimsphäre und Sexualität mit einschloss. Sexueller Missbrauch und Vergewaltigungen durch die Kolonisatoren gehörten zur Lebensrealität der meisten Sklaven. Durch eine systematisch vorgenommene Zuteilung von weiblichen Sklaven zu den männlichen Sklaven, versuchten die Kolonisatoren die Kontrolle über die Zeugung möglichst vieler Kinder zu gewinnen.Die Frauen wurden zu »Gebärmaschinen« der Kolonisatoren und deren Kinder zu wichtigen »Waren«.Diese Reduzierung der Unterdrückten auf jederzeit und in vollem Umfang verfügbare »Waren« zeigt die extreme Entmenschlichung durch den Kolonialismus auf. Herrschafts- und Legitimationsstrategie Dieses von extremer Gewalt geprägte Herrschaftsverhältnis,war nur vor dem Hintergrund der Konstruktion eines kulturellen Dominanzverhältnisses möglich, d.h. nur durch die Konstruktion einer ethnischen, sozialen, ökonomischen, kulturellen und rassischen Überlegenheit. Die europäische Expansion wurde zur Erfüllung eines universellen Auftrags stilisiert: Als Beitrag zu einem göttlichen Heilsplan der Heidenmission, als weltliches Mandat zur »Zivilisierung der Barbaren«, als privilegiert zu tragende »Bürde des weißen Mannes« etc. Das Verständnis von kultureller Höherwertigkeit wurde durch diverse europäische Medien (Gebrauchstexte, Literatur, Bildmedien etc.) sowie die zur damaligen Zeit entstandenen »Kolonialwissenschaften « (z.B.Volks- und Völkerkunde, Orientalistik) verstärkt. Sie produzierten vor allem Bilder des Eigenen und des Fremden. Die Rhetorik baute dabei auf einer simplen Gegensätzlichkeit zwischen den »faulen Primitiven « auf, die einer christlich-europäisch,
Entschädigung statt nur Entschuldung Für die Kolonisatorenländer bedeutete der Kolonialismus die Anhäufung eines immensen Reichtums, auf dessen Grundlage sich der Kapitalismus in Europa voll entfalten konnte. Denn die Kolonien dienten in erster Linie den ökonomischen Interessen ihrer »Schutzmächte «. Dies bedeutete konkret die Ausplünderung der vorhandenen Ressourcen, die anschließend nach Europa gesendet wurden. Den Kolonien hingegen wurde eine eigenständige ökonomische,politische und soziale Entwicklung jahrhundertelang verwehrt.Weiter wurden die kolonisierten Länder gezwungen, eine ebenfalls auf die Herrschaftsländer ausgerichtete agrarische Monokultur zu betreiben. Als dann, vor dem Hintergrund der kolonialen Befreiungskriege, spätestens mit Ende des zweiten Weltkrieges die so genannte Dekolonialisierung begann, besaß kein einziger der unabhängig gewordenen Staaten mehr die Voraussetzungen für eine eigenständige Entwicklung. Stattdessen waren die postkolonialen Zustände geprägt von wirtschaftlichen Abhängigkeiten und erzwungenen Vernetzungen mit den Ökonomien der ehemaligen Kolonialstaaten, die bis heute bestehen. Die Folgen dieser Abhängigkeiten sind noch immer gewaltförmig. Gemeint sind damit etwa das Vorenthalten von Bildungschancen und eine ungenügende medizinische Versorgung, die einen Großteil der Weltbevölkerung in permanenter Unterentwicklung hält. Vor diesem Hintergrund greift die seit Jahren von der Popgröße Bono angeführte Entschuldungskampagne viel zu kurz. Eine gerechte Lösung müsste vielmehr dem Ansatz der afrikanischen Staaten folgen, die zu Recht eine Entschädigung für den Kolonialismus und seine Folgen fordern. Neben den ökonomischen Lösungen muss es in den ehemaligen Kolonialistenstaaten, bezüglich des bis heute vorherrschenden,kolonial geprägten, Menschenbildes jedoch auch eine klare gesellschaftspolitische Veränderung geben. |
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