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Nationalistische Plünderung Neue Kriege in der Praxis. Entgrenzung der Gewalt im ehemaligen Jugoslawien. Ein »Kampf der Zivilisationen « und »ethnische Konflikte« sollen es gewesen sein, die in den 90er Jahren zum Krieg in Jugoslawien geführt haben. Diese Sichtweise ist bis heute weit verbreitet. Sie wird vor allem propagiert von Politikern, die selbst ethnische Politik verfolgen. So argumentierte der ehemalige Bundeswehrgeneral, Berliner Innensenator und jetzige Brandenburger CDU-Führer, Jörg Schönbohm 1998, nach Kreuzberg dürften keine Einwanderer mehr ziehen. Sonst drohe dort ein »Kampf der Kulturen«, der zu Zuständen wie auf dem Balkan führen könne. Als Gegengift empfahl er die »deutsche Leitkultur«. Nationaler Populismus Bei genauerer Betrachtung zeigt sich allerdings etwas ganz anderes. Nicht die ethnische Vielfalt war der Grund für das Auseinanderbrechen Jugoslawiens, sondern höchstens der Nationalismus von Machtpolitikern, die in mancher Hinsicht dem Typus Schönbohm gleichen. Durchsetzen konnten sie sich in den
späten 80er Jahren in einer Situation der tiefen Wirtschaftskrise,
des verkrusteten Autoritarismus des Machtgefüges und nicht zuletzt
des Endes des Kalten Krieges, das die politische Ordnung in ganz Europa
erschütterte. Unterstützt wurden die Nationalisten dabei ganz
wesentlich von ihren internationalen Glaubensbrüdern, die sich in
Jugoslawien jeweils eine Lieblingsnation heraussuchten, die sie finanziell
und militärisch mobil machten. Unvergessen ist dabei die Rolle der
deutschen Konservativen, welche 1990/91 recht unverblümt zur Bewaffnung
kroatischer Extremisten aufriefen.In Jugoslawien selbst führten die Nationalisten dabei zunächst einen Krieg gegen die jeweils eigene Bevölkerung. Gewalt wurde zuerst gegen die »Verräter« in der jeweils eigenen nationalen Gruppe ausgeübt. Dieses Kapitel der Kriege wird heute meist unterschlagen. Wer weiß von den etwa 100.000 Deserteuren, die allein in Belgrad den Wehrdienst verweigerten und oft ins Ausland fliehen mussten? Wer weiß von der multiethnischen Bergarbeitermiliz, die im bosnischen Tuzla ihre Stadt verteidigte? Wer kennt die Kosovo-Albaner, die in den Geheimgefängnissen der UCK ermordet wurden? Erst mit der Ausschaltung des Widerstandes konnten »ethnische Säuberungen « und Massaker beginnen, die über 100.000 Menschen das Leben kosteten und Millionen zu Flüchtlingen machten. Kriegshelden Instrumentell für den Erfolg der Nationalisten war dabei die Mobilisierung paramilitärischer Gruppen. Rekrutiert aus der Hooliganszene der Fußballklubs und der Mafia, verstärkt durch ausländische Söldner und ausgerüstet durch Geheimdienste wurden sie von den politischen Machthabern auf die Zivilbevölkerung angesetzt. Der Terror wurde zum Medium der Machtausübung von national-populistisch agierenden Politcliquen. Den Paramilitärs wurde dabei ein Teil des Kuchens versprochen, der durch die kriegerische Plünderungsökonomie aufzuteilen war. Das Muster glich sich dabei in allen Teilen des zerfallenden Staates. Ehemalige Türsteher und Auftragsmörder wurden zu Kriegshelden, die sich Paläste bauen konnten. Unangetastet sitzen sie dort noch heute. Die »internationale Gemeinschaft« sieht in ihnen nicht selten »Stabilitätsgaranten «. Boris Kanzleiter |
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